14.2. 2027
Kirche St. Marien, Bonn-Bad Godesberg
im Rahmen eines gemeinsamen Chorprojekts
Chor AZM – Akademicki Zespol Muzyczny Politechniki Slaskiej
w Gliwice
– Ludwig van Beethoven Kantate auf den Tod Josephs II. (WoO 87)
– Gioachino Rossini Stabat Mater
Ludwig van Beethovens Cantate auf den Tod Kaiser Josephs II. (WoO 87) ist sein erstes größeres Werk und entstand 1790, als der Komponist gerade erst 19 Jahre alt war. Sie betrauert den Tod des aufgeklärten Habsburger Herrschers als eines Aufklärers und Kämpfers gegen den religiösen Fanatismus.
Die Bonner Lese- und Erholungs-Gesellschaft organisierte für den 19. März eine Trauerfeier für Joseph II., zu der Beethoven eben jene Trauerkantate komponierte. Wie in den Akten der Lesegesellschaft unter dem 17. März vermerkt, konnte die Kantate schließlich jedoch „aus mehreren Ursachen nicht aufgeführt werden“. So blieb sie lange Zeit ein unbekanntes Frühwerk. Die Uraufführung fand erst am 23. November 1884 in Wien statt, in einem Konzert der Gesellschaft der Musikfreunde unter der Leitung von Hans Richter.
Unter den Zuhörern war Johannes Brahms, der danach zu dem Musikkritiker Eduard Hanslick äußerte: „Es ist alles und durchaus Beethoven. Man könnte, wenn auch kein Name auf dem Titelblatt stände, auf keinen andern raten.“ So zeigt sich in diesem jugendlichen Werk eine dramatische, fast theatrale Musiksprache, die weit über das hinausgeht, was man von einer klassischen Gelegenheitskomposition erwarten würde – ein früher Hinweis auf die emotionale Intensität, die Beethovens späteres Schaffen prägen sollte.
Gioachino Rossinis Stabat Mater ist demgegenüber ein reifes Spätwerk. Rossini begann die Komposition 1831, vollendete sie aber erst 1841, nachdem er sich bereits aus dem aktiven Opernbetrieb zurückgezogen hatte. Das Werk vertont die mittelalterliche Sequenz über die trauernde Maria am Kreuz Jesu – doch Rossini tut dies mit den musikalischen Mitteln der italienischen Oper: melodiös, dramatisch, von großer emotionaler Wirkung. Diese Verschmelzung von geistlichem Text und opernhafter Ausdruckskraft sorgte bei der Uraufführung 1842 in Paris für Diskussionen, machte das Werk aber zugleich zu einem der populärsten geistlichen Chorwerke des 19. Jahrhunderts.
Verbindung im Konzert
Beide Werke kreisen um den Tod – doch sie nähern sich diesem Thema von entgegengesetzten Seiten.
Beethovens Kantate ist politisch-historische Trauermusik um eine real existierende Person und ihr Wirken als Reformer. Rossinis Stabat Mater hingegen ist geistliche Musik über ein zeitloses, religiöses Sujet: das Mitleiden einer Mutter am Kreuz ihres Sohnes.
Zugleich verbindet beide Werke ein gemeinsamer musikalischer Zug: die Verschmelzung einer eigentlich gebundenen Gattung mit dem persönlichen, jeweils einzigartigen Kompositionsstil. Die Gattung der Kantate wurde v.a. in der Barockzeit durch J.S. Bach geprägt und geformt. Beethoven orientiert sich formal daran, transformiert sie jedoch in seine ganz eigene persönliche Tonsprache. Bei Rossini ist es die bewusste Übertragung seiner Opernerfahrung in die geistliche Sphäre.
Das Konzert macht so nicht nur zwei einzelne Werke erlebbar, sondern auch eine größere musikhistorische Linie: den Wandel des Ausdrucks von Barock, Klassik und Romantik. Besonders interessant erscheint hier die Verbindung von Elementen weltlicher und geistlicher Musik.
Kultureller Gewinn
Während Rossinis Stabat Mater zum festen Repertoire gehört und regelmäßig aufgeführt wird, ist Beethovens Kaiser-Kantate auch heute noch selten zu hören. Ihre Aufführung ermöglicht es dem Publikum, eine wichtige, weniger bekannte Facette eines der meistgespielten Komponisten der Musikgeschichte kennenzulernen und damit ein vollständigeres Bild seines künstlerischen Werdegangs zu gewinnen.
Im Kontext des Beethoven-Jubiläumsjahres 2027 schließt die Aufführung von Beethovens frühester großer Vokalkomposition damit einen besonderen Kreis gerade in seiner Heimatstadt: Das Werk, mit dem der erst 19-jährige Beethoven seine kompositorische Reife erstmals unter Beweis stellte, erklingt 200 Jahre nach seinem Tod an dem Ort, an dem alles begann. Die Aufführung der Kaiser-Kantate gerade an diesem Ort und zu diesem Anlass ist daher nicht nur künstlerisch, sondern auch identitätsstiftend für die Stadt, indem sie Bonns Rolle als Beethoven-Stadt unterstreicht.
Die Gegenüberstellung mit Rossinis Stabat Mater ermöglicht es darüber hinaus, das Jubiläum nicht isoliert auf Beethoven zu beschränken, sondern in einen größeren musikhistorischen Zusammenhang einzubetten. So entsteht ein Programm, das dem Anlass – 200 Jahre nach Beethovens Tod, in seiner Geburtsstadt – in besonderer Weise gerecht wird und zugleich über die reine Jubiläumsfeier hinaus musikhistorisches Bewusstsein vermittelt.
(Markus Mostert)
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